(In German)

Der in Belgien lebende Schwede Michael Daun machte auf der „Stockholm School of Economics“ seinen MBA und begann früh, mit und im Internet zu arbeiten. Als er im Alter von 24 Jahren sein erstes Unternehmen im Internetsektor gründete, war das damals noch eine ungewöhnliche Sache. Doch Daun wusste, dass Internet und Digitalisierung die Zukunft sind. Als er dann in einem Unternehmen in Luxemburg zu arbeiten begann, endete das damit, dass er sich mit zwei Kollegen selbstständig machte. Heute zählt ihr Unternehmen mehr als ein Dutzend Kunden, darunter große Namen wie PwC oder Rio Tinto. Für nächstes Jahr ist, nach Jahren der Entwicklungen und Investitionen, die Gewinnzone angepeilt.

Was ist Wellevue?

Michael Daun Wir haben mit Wellevue eine App programmiert, die großen Organisationen hilft, damit ihre Mitarbeiter engagierter mit- und zusammenarbeiten. Gleichzeitig hilft die App zu bestimmen, in welche Richtung die Kultur des Unternehmens geht. Will beispielsweise ein Unternehmen innovativer sein, würde es normalerweise seine Mitarbeiter in Trainingskurse schicken, die danach aber den Kursinhalt im Alltag schnell wieder vergessen. Wir haben hingegen eine App geschaffen, die zum einen dem Nutzer Spaß macht, zum anderen als soziales Medium fungiert, und dabei das Verhalten prägt.

Wie funktioniert das technisch? Möchte ein Unternehmen Ihre Idee nutzen, programmieren Sie für das Unternehmen eine passende App?

Daun Nein, Wellevue bietet dem Kunden eine Plattform, die es ihm erlaubt, seine App nach seinen eigenen Bedürfnissen zusammenzustellen. Wir haben aber auch ein Netzwerk von Beratern, auf die wir zurückgreifen und die dem Kunden dabei helfen können. Dadurch kann sich jeder Kunde die Inhalte auf seine Bedürfnisse zuschneiden, da jeder Kunde ja seine eigenen Probleme und Anforderungen hat. Manche konzentrieren sich auf Innovation, andere darauf, näher am Kunden zu sein.

Wann gründeten Sie das Unternehmen?

Daun Zusammen mit zwei Partnern habe ich Wellevue 2013 dank Hilfe eines Business Angels in Luxemburg gegründet, der neben uns früh in das Projekt investierte. Wir Gründer hatten zwei verschiedene berufliche Hintergründe: Internet und Management-Beratung. Aufgrund unserer eigenen beruflichen Erfahrung wussten wir, dass es sehr schwer ist, Organisationen zu ändern. Es ist sehr schwer, eine gesamte Organisation in eine Richtung zu bewegen, vor allem, wenn es eine größere Organisation mit verschiedenen Abteilungen ist. Hinzu kommt heute der Mangel an Zeit.

Wir wissen, dass soziale Apps, Facebook, Instagram, sogar Spiele, das Verhalten von Menschen ändern und fragten uns, ob man diese Mechanismen nicht dazu nutzen könne, die Art, wie wir arbeiten zu ändern und positiv zu beeinflussen. So schufen wir mit Wellevue ein Tool, dass die Nutzer dazu veranlasst, Dinge zu tun, weil es zum einen als soziale Interaktion Spaß macht, zum anderen aber als Spiel genutzt werden kann, sozusagen als Wettbewerb zwischen den Teilnehmern.

Inzwischen haben Sie die ersten Kunden, sogar große Kunden… wie konnten Sie die von ihrer App überzeugen?

Daun Es war nicht einfach, aber die Welt ändert sich, und wir konnten viele davon überzeugen, dass man in einer solchen sich ändernden Welt auch neue Tools braucht. Wir haben inzwischen Kunden aus dem Finanz- und Dienstleistungssektor, aber sogar aus dem produzierenden Sektor. Als wir unseren Ansprechpartnern sagten, wir können die Organisation ändern, indem sie eine App benutzt, wurde daran, vor allem von konservativen Firmen, gezweifelt. Also mussten wir den Firmen in der Praxis zeigen, dass sie bessere Ergebnisse erzielen mit unserer App. Nahezu alle Mitarbeiter nutzen heute soziale Medien, und nahezu alle Firmen müssen heute auch innovativ sein. Der ganze Finanzsektor befindet sich zum Beispiel in einem großen Umwandlungsprozess. Wie kann ich erreichen, dass meine Organisation diese und jene Vision verfolgen will, wie kann ich erreichen, dass wir Teil dieser Transformierung sein wollen? Firmen, die sich das fragten, zeigten sich an unserer Lösung interessiert.

Und wie genau arbeitet die App?

Daun Die Grundidee, die wir hatten, war folgende: Wie lernen wir? Wie verändern wir unser Verhalten? Vor allem durch Menschen, die um uns herum sind, denen wir uns anpassen und denen wir nachahmen. Dazu gibt es viele Studien. So sagt eine: Wenn man jemanden, der sehr produktiv ist, in ein Team steckt, werden dadurch auch alle anderen Team-Mitglieder produktiver werden. Andere Studien zeigen, dass selbst Glücklichsein weitervermittelt wird. Diese Erkenntnis wollten wir nutzen. Und damit dieser „Lernprozess“ umso erfolgreicher ist, haben wir daraus eine Art Spiel gemacht, mit dem Punkte gesammelt werden können. Manche Nutzer spornt das an, anderen macht eher die soziale Interaktion Spaß. Die App gibt dem Nutzer kleine Herausforderungen, die er meistern muss, wir nennen es „Mini-Missions“. Will ein Unternehmen innovativer sein, fragen wir, was das konkret bedeuten soll. Vielleicht sollen die Mitarbeiter verschiedener Abteilungen mehr miteinander reden. Eine Mini-Mission wäre also ein Mittagessen mit jemandem von der Verkaufsabteilung, ein „Beweisfoto“ ist über die App zu posten. Oder: „Nimm einen anderen Weg zur Arbeit“. Das macht dich nicht innovativer, aber es ist ein Schritt Richtung zu diesem Ziel: Änderungen in Organisationen durch kleine Aktionen. Wir helfen Unternehmen dabei, ihre Kultur zu visualisieren. Die Mitarbeiter sehen das und werden engagierter. Von anderen lernen ist der effektivste Weg, Verhalten zu ändern. Viele solcher Mini-Missions haben wir im System, und unsere Erfahrung zeigt, dass die kleinen Challenges gerne genutzt werden. Ein Unternehmen, das innovativ sein will, sieht sich dadurch plötzlich selbst auch innovativ.

Welche Pläne haben Sie jetzt?

Daun Wir sehen, dass ein Bedarf an unserem Tool besteht, da jedes Unternehmen Verbesserungsbedarf hat. Auch wir sind stets dabei, dazuzulernen und uns zu verbessern, auch damit wir noch besser Unternehmensverantwortlichen dabei helfen können, ihr Unternehmen effektiver zu machen.

Wenn wir Rückmeldung von Nutzern erhalten, die von der App begeistert sind, begeistert das auch uns. Wir hatten ein Unternehmen, das unsere App zu nutzen begann, als deren Geschäft gerade nicht gut lief: Nach einiger Zeit hörten wir von ihnen, dass sie ohne unser Tool die Wende zurück zum Positiven wohl nicht so gut und so schnell geschafft hätten. Dann sagt man sich, dass ist es wert – die vielen Extrastunden an Arbeit haben sich gelohnt.

Momentan bauen wir die App aus, um sie auch für Kunden aus dem Freizeitsektor und dem Einzelhandel interessant zu machen, in Luxemburg, europaweit und darüber hinaus.

 

 

This article is was originally published in: Lëtzebuerger Journal: Kleine Aktionen ändern viel
Link: http://www.journal.lu/top-navigation/article/kleine-aktionen-aendern-viel/
Article author: MARCO MENG

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